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Heiteres und Besinnliches

Es liegt in der Natur der Dinge, daß die Vereinsmitglieder, die schon viele Jahre zum treuen Kreis der Sänger gehören, manch kleine Anekdote zu erzählen haben, die hier einer breiteren Öffentlichkeit mitgeteilt werden sollen.

Aus alten Tagen

Vor dem Weltkrieg war es üblich, mit dem damaligen Dirigenten Hans Seibert, wenn ein Ständchen gesungen werden sollte, mit Laternen und Gesang durchs Dorf zu ziehen. Manch kleiner Bursche drückte voller Erstaunen und Ehrfurcht bei diesem Anblick an der Fensterscheibe seine Nase platt. Kein Wunder, daß diese Burschen heute unsere eifrigsten Sänger sind.

Eine Last wurde ihnen von Lehrer Seibert allerdings aufgebürdet: Sie mußten während der Schulzeit, aber auch nachmittags Noten kopieren, damit auch alle Sänger vom Notenblatt singen konnten. Die Schule arbeitete also aktiv für den Gesangverein und es ist klar, daß der Verein diese Gabe dankend annahm.

Die Herbstwanderungen

Vor allem die Herbstwanderungen, bei denen immer recht fleißig dem feuchten Naß zugesprochen wird, bieten manchen Anlaß zu fröhlichem Rückblick:

Sind im Wald die Holzhauer tätig, müssen sie sich wärmen. Zu diesem Zweck wird auf einer größeren Lichtung ein Lagerfeuer angezündet, von dem ein ansehnlicher Aschehaufen übrigbleibt. Einen solchen Aschehaufen suchte sich Willi Wolf während einer Herbstwanderung zu einem kleinen Nickerchen aus. Seien es nun Müdigkeit oder schwindende Kräfte nach der langen Wanderung (nach anderen Gründen wird hier nicht gefragt), kurz und gut, der Lange wälzte sich in der Asche. Bei diesem Anblick kam bei Wilhelm Mehring starkes Mitleid auf (oder war es vielleicht auch nur die Müdigkeit ?), und er legte sich - sehr zur Freude der anderen Wanderer - zu Wolfs Willi ins graue, staubige Bett.

So manche Herbstwanderung war nicht mit besonders gutem Wetter gesegnet. So wird bei Regen vor dem Abmarsch überlegt, ob die Wanderung stattfinden soll oder nicht. Der Ausfall dieses Ereignisses ist immer die letzte und schlechteste Möglichkeit. Also setzt man sich lieber in einen Viehwagen und läßt sich bei strömendem Regen (Feuchtigkeit von innen und außen !) und natürlich mit guter Laune nach Meineringhausen chauffieren. Dieser besondere Ausflug wird noch lange im Gedächtnis der Sänger erhalten bleiben.

Bei der Wanderung im Jahre 1990 erfüllten sich die Sänger einen ganz besonderen Jugendtraum. Den Kindern aus Dorfitter war es früher bei schwerster Strafe verboten, über die Schienen durch die Eisenbahntunnels zu laufen. So mancher gestandene Mann denkt noch mit Schaudern daran zurück, als er vor vielen Jahren, trotz strikten Verbots, den Tunnel durchquerte. So war es ganz selbstverständlich, daß bei der letzten Wanderung der

Weg über die Schienen und nicht über einen Weg gewählt wurde, weil man dies heute gefahrlos tun kann, denn die Eisenbahnstrecke ist ja bekanntlich stillgelegt. Die Stimmung war danach so gut, daß bei Klöckers im Garten noch lange eine fröhliche Runde mit Gesang und Getränken zusammensaß.

Sängerfeste

Anfang der fünfziger Jahre fand in Immighausen ein Sängerfest statt. Da der Weg dorthin nicht weit ist, gingen die Sänger zu Fuß. Am späten Nachmittag wurden die Vereine mit Musik aus dem Zelt geleitet und die Sangesbrüder machten sich nach für nach auf den Heimweg. Wolfs Willi als stellvertretender Fahnenträger mußte die Fahne auf den Buckel nehmen, und auch er machte sich auf Schusters Rappen auf den Heimweg.

Auf halber Strecke übermannte ihn quälender Durst und er beschloß, zur Bierquelle, also nach Immighausen, zurückzukehren. Die Fahne war ihm allerdings sehr lästig. Also lehnte er sie mir nichts, dir nichts an einen Apfelbaum und kehrte zur festlichen Freude zurück. Nach einigen Stunden munteren Zechens kam er zum Aufbewahrungsort der Fahne zurück. Doch welch ein Schreck, die Fahne war verschwunden.

Verzweifelt suchte er einige Zeit, um dann mit hängenden Ohren und schlechtem Gewissen aber ohne Fahne nach Hause aufzubrechen. Am nächsten Tag war Gesangsstunde, und Willi Wolf wurde schon an der Tür von Tischen Behle, dem ersten Fahnenträger, erwartet. "Wo hasten de Fahne?" Mit vielen "Hms" und "Ähs" versuchte Willi eine Erklärung abzugeben, aber Tischen Behle fuhr ihm über den Mund: "Du hast se innen Baum gesticht. Wenn de dat nach mol makest, kriegeste ennen hinger de Läppel!" Wolfs Willi sah sich um und erblickte die Fahne zu seiner Erleichterung unbeschädigt im Schrank stehen. Einige Sangesbrüder waren den gleichen Weg gekommen, sahen die Fahne am Apfelbaum lehnen und hatten sie mit nach Hause genommen.

Bei den Sängerfesten ist es immer sehr wichtig, zu welchem Zeitpunkt der Verein seine Lieder vortragen soll. Je später nämlich der Gesangverein an der Reihe ist, desto mehr Bier ist dann schon durch die durstigen und ausgetrockneten Sängerkehlen geflossen. So war dies auch 1965 beim Sängerfest in Buchenberg der Fall. Dorfitter mußte an 24. Stelle singen. Und so waren schon drei Fäßchen Bier geleert, als man endlich zum Singen kam. Schnell mußten noch von anderen Vereinen 18 Sänger ausgeborgt werden und man wankte auf die Bühne. Der Beifall soll bombastisch gewesen sein. Oder war es nur die falsche Selbsteinschätzung der Beschwipsten?

Kassenprüfung

Die Kassenprüfungen vor den Generalversammlungen bieten häufig die Gelegenheit, feucht- fröhlich zu tagen. So war es auch bei einer Kassenprüfung beim damaligen Kassierer Wilhelm Mehring. Die Kasse war schnell geprüft und man schmeckte anschließend noch Willems "Branntwein" ab: Herbert Hamel hatte plötzlich den Einfall, daß man auch mal Mehrings hervorragenden selbstgemachten Fruchtwein probieren könnte. Wilhelm ließ sich nicht lumpen und holte einen 5/4 1 fassenden emaillierten Pott voll köstlichen Fruchtwcins aus dem Keller. Dieser war schnell geleert und Wilhelm mußte den Weg in den Keller noch ein zweites Mal antreten. Schnell hatte man sich warm getrunken und zwischen Weinfaß und Zecherrunde setzte ein reger Pendelverkehr ein. Es war wohl Mitternacht vorbei, als sich die Kassenprüfrunde auf den Heimweg machte. Einige Teilnehmer wurden später dabei beobachtet, als sie über die Vorgartenzäune der Nachbarhäuser hingen. Die Teilnehmer der Fruchtweinrunde sollen noch bei der Generalversammlung ganz grün gewesen sein.

Willi Butterweck